Normalerweise sind die Fotos die ich für Piz Gloria mache eher in den Kategorien “Outdoor” oder “Actionsportarten” zu finden und so war der kleine Fashion Shoot mal was ganz Neues. Vor allem die Nachbearbeitung, da ich mal versuchte alle Details im Bild aufzuräumen und zu retouschieren.
Aufnahme
Der Shoot fand mitten im beschaulichen Mürren vor dem Piz Gloria Shop statt und glücklicherweise organisierten die Jungs von PG ein Model, welches sich sehr wohl vor der Kamera fühlte. Das vereinfachte schon mal vieles und die Anweisungen die ich geben musste beschränkten sich auf ein Minimum (sonst wärs eher bitter geworden: “äääähhh, schau mal nach links. Oder besser noch nach rechts. Nee, weiss auch nicht. Mach mal. Irgendwas. BITTEEEE!!!”)
Das Setup für das Bild war relativ simpel: Etwa ein Meter hinter der Kamera auf circa 2m Höhe befand sich eine Beauty Dish und hinter dem Model stand noch ein SB-900 @24mm auf einem Stativ. Beide Lichtquellen waren natürlich auf das Model gerichtet, sonst wäre ja alles dunkel auf dem Bild. Die Blitze wurden mit Elinchrom Skyports ausgelöst.
Bearbeitung
Das Bild gehörte relativ schnell zu meinen Favoriten, aber es gab doch einige Dinge die mich störten:
- Bisschen unscharf (ich muss mich schon noch an das 85mm/1.4 gewöhnen und es war ja auch bitterkalt in dieser Nacht)
- Ein paar störende Details (Glanz, Haare, …)
- Die Farben sind ja ganz nett, aber irgendwie fehlt der Kick
Diese Punkte bestimmten dann auch den Workflow und hier schon mal alle Ebenen auf einen Blick.
Als erstes erstellte ich eine Kopie des Hintergrundes und schärfte diese mit “smart sharpen” bis ich eine zufriedenstellende Schärfe erhielt. Da der Hintergrund eh unscharf ist, maskierte ich diesen um so das Model und nicht das Rauschen im Hintergrund zu schärfen. Als Ebenenmodus wählte ich “Helligkeit” was Farbverschiebungen welche beim Schärfen auftreten können verhindert. Auf dieser Ebene entfernte ich auch noch den störenden Fleck über der Mütze, da ich wusste, dass ich denn nicht vermissen würde.
Der nächste Schritt war das Entfernen der störenden Details (Flecken auf der Haut, abstehende Haare, glänzende Lippen oder Nase, etc.), also eigentlich alles was den Blick auf sich zieht, dies aber eigentlich nicht tun sollte. Für diese Aufgabe arbeitete ich nur mit dem Kopierstempel (geringe Deckkraft mit Modus Abdunkeln/Aufhellen) und dem Reparaturpinsel.
Mürren ist wirklich nett. Dort siehts ein bisschen wie vor 30 Jahren aus und das macht es gerade eben speziell und ich hoffe, dass es auch so bleibt. Um mein Mürren-Feeling ins Bild zu bringen, entschied ich mich für einen Cross-processing Effekt, der ein bissrl altmodisch wirkt. Mit einer Farbbalance-Ebene hatte ich recht schnell den gewünschten Effekt: Die Tiefen und Mitteltöne verschob ich gegen Blau und die Highlights gegen Gelb. Die Mütze und auch die Nase wurden aber maskiert, da die Mütze möglichst die Originalfarbe beibehalten sollte und die Nase ein bisschen zu fest in Richtung Rot ging. Da die Tiefen durch diese Ebene dunkler wurden, wurde der Hintergrund für meinen Geschmack etwas zu dunkel und so hellte ich diesen mit einer Kurven-Ebene, wo das Model maskiert ist, ein wenig auf.
Zu guter Letzt kümmerte ich mich noch um die Haare, da mir einige Stellen zu hell oder auch zu dunkel waren. Dazu erstellte ich zwei neue Ebenen mit Ebenen-Modus “Weiches Licht”. In der ersten Ebene malte ich mit Weiss über die zu dunklen und in der zweiten mit Schwarz über die zu hellen Stellen im Haar. Dieses Vorgehen ist eigentlich ein simples Abwedeln und Nachbelichten, mit dem Vorteil, dass man die Deckkraft der Ebenen ändern kann bis man das gewünschte Resultat hat.
Und hier natürlich noch das Endresultat mit dem ich im Grossen und Ganzen recht zufrieden bin.

