Manchmal dauert es ein bisschen länger, obwohl es doch so einfach wäre. Vor ungefähr 5 Jahren hatte ich die Idee vom Augstmatthorn aus den Sonnenaufgang zu fotografieren, da der Gipfel schnell und einfach zu erreichen ist und man auch in der vordersten Reihe sitzt, wenn es darum geht die Berner Alpen zu bestaunen. Ich legte mich auch auf den Herbst fest, da der Hochnebel im Tal sicher an Dramatik hinzufügen würde (und man muss auch nicht so früh wie im Sommer raus :D). Alternativ könnte man natürlich auch oben übernachten, aber irgendwie ist das nicht mein Ding.

Wie schon gesagt, es wäre ja so einfach: Morgens früh raus, mit dem Auto auf die Lombachalp, den kurzen Aufstieg auf den Gipfel in Angriff nehmen und oben das Stativ aufstellen. Irgendwie hatte ich aber jedes Jahr genügend Ausreden auf Lager und verschob es immer wieder. Bis letzten Samstag.

Natürlich verfluchte ich den Wecker der mich um halb fünf aus dem Schlaf riss. Natürlich suchte ich im Bett liegend nach Ausreden. Aber ich zwang mich aus dem Bett und spätestens als ich im Auto zu „Satellite“ von The Kills mit-lala-te (super praktisch: Man muss keinen Text können), war die Welt in Ordnung und ich freute mich auf den Aufstieg bei Mondschein. Dieser stellte sich dann ein bisschen schwieriger als sonst dar, da der Wanderweg gefroren war und sich der Reif in der Nacht ansetzte. Beides machte aus dem Weg eine recht glatte Sache. Aber als Bonus wurde noch eine Wissenslücke in Biologie gefüllt: Die Augen von Steinböcken reflektieren so ähnlich wie die von Katzen. Doch um viertel vor sieben stand ich dann auf dem Gipfel und der Blick der sich mir bot war unglaublich. Die nächsten 1 3/4 Stunden verbrachte ich dann fotografierend, frierend (nur bis kurz nach acht, denn da kroch die Sonne hinter dem Schreckhorn hervor), Tee trinkend und den Ausblick geniessend auf dem Gipfel.

Im Nachhinein frage ich mich schon, wieso ich es nicht früher gemacht habe, denn frühmorgens auf irgendwelchen Berggipfeln rumzulungern mach ich schon noch gerne. Und beim nächsten mal nehme ich auch noch eine Daunenjacke und ein ND-Gradiationsfilter mit. Aber im Nachhinein ist man immer schlauer.

Alle Bilder gibt es auf flickr.