Letzte Woche war ich bei Pascal Essen und er hatte noch die grossartige Idee ein bisschen mit Highspeed Fotografie zu experimentieren. Natürlich erst nach dem Dessert. Er wollte schon seit einer Weile Bilder von platzenden Ballons schiessen und da musste ich ihm bei den ersten Schritten ein bisschen helfen (Ballone aufblasen, halten, Knoten machen, etc.). Die Resultate nach 3 Ballons waren schon recht nett, aber er hat da natürlich fleissig weiter experimentiert und hat diese Woche doch ein paar sehr coole Bilder geschossen:


Platzender Wasserballon von Pascal Bovet

Platzender Ballon von Pascal Bovet

Tja, das hat mich dann schon ein bisschen beeindruckt und irgendwie auch den Drang ausgelöst, was in dieser Richtung zu machen.

Wieso Highspeed? Und Wie?

Bei den Feld-, Wald- und Wiesen-dSLRs kann man mit Blitzen meist nur bis zu einer Belichtungszeit von 1/250 Sekunde (Max. flash sync speed) fotografieren. Das ist jetzt schon ein bisschen verallgemeinert, aber eben. Wenn man nun eine Bewegung einfrieren will, dann ist 1/250 nicht gerade sehr viel und die ganze Geschichte wird erst so ab 1/1000 und darunter spannend.

Nun hat man folgende Möglichkeiten um unter die 1/250-Grenze zu kommen:

  1. Highspeed Blitzsynchoronisation
  2. Dieses Ding was ich in Kürze beschreiben werde

Bei der Highspeed Blitzsynchoronisation müssen der Blitz und die Kamera die selbe „Sprache“ sprechen. Das heisst, dass man vor dem Kauf eines neuen Blitzes oder auch einem drahtlosen Auslöser schauen sollte ob dies unterstützt wird. Meine Skyports unterstützen dies zum Beispiel nicht, während die neuen Pocket Wizards das dann eben können. Die kosten dann eben auch entsprechend. Mit Highspeed Blitzsynchoronisation erreicht man Belichtungszeiten bis zu einer 1/8000 Sekunde.

Die andere Methode welche Pascal und, seit heute, auch ich verwende, basiert auf darauf, dass die Blitzleistung über die Blitzdauer gesteuert wird. Auf dem Datenblatt des SB-900 sieht man unter „Flash duration“, dass die Blitzdauer von einer 1/880 (volle Kanne) bis zu einer 1/38500 Sekunde (minimale Leistung) reicht. Der Witz ist nun, dass wenn man in einem dunklen Raum einfach mal 10 Sekunden oder länger belichtet (da sieht die Kamera dann einfach eh nur Schwarz) und im richtigen Moment blitzt, die Szene mit der Blitzdauer fotografiert wird. Dies ist so, weil das Sujet nur mit dem Licht vom Blitz erhellt wird.

Mein Workflow für die Wasserbilder

  1. Setup
  2. Bei Licht auf das Objekt fokusieren.
  3. Licht aus
  4. Nicht über Kabel & Wasser stolpern
  5. Blende und Belichtungszeit (diese am besten > 5 Sekunden, damit man genug Zeit hat) so einstellen, dass man, wenn man nicht blitzt ein schwarzes Bild erhält. Im Grunde genommen eliminiert man das ganze Umgebungslicht.
  6. Probeaufnahmen machen: Kamera auslösen und während dem der Verschluss offen ist blitzen. Blitz anpassen bis das Sujet optimal beleuchtet ist.
  7. Kamera auslösen
  8. Während dem der Verschluss offen ist: Machen was man da so machen will (Wasser eingiessen, Eis ins Glas werfen (und treffen))
  9. Während dem der Verschluss offen ist: Blitz im richtigen Moment auslösen (Bei mir mit Skyports, …)
  10. Resultat bestaunen
  11. Überlegen wie ich es der Freundin erklär, dass da der Boden im Schlafzimmer nass ist

Hier nun meine Resultate und wer’s bis hier geschafft und auch verstanden hat, dem spendier ich mal ein Bier. Sonst erkläre ich es auch gerne mal bei einem Bier ;-).


Highspeed mit Wasser

Highspeed Eis

Der Pascal hat seine Blitze übrigens mit einem Mikrofon und einem Arduino-Board ausgelöst (so eine Art Schallauslöser). Respect! Update: Pascal hat ein super Einführungskurs in die Highspeed Fotografie geschrieben.

Update 19.06: Es geht auch mit Zitronen