Bei der Planung von Touren ist für mich eine gute Abfahrt (gut im Sinne von viel Fahrvergnügen) eigentlich immer das Wichtigste. Da aber der Wetterbericht fürs Wochenende sehr schlecht war und wir trotzdem raus wollten, suchte ich nach etwas wo der Aufstieg die Attraktion sein sollte. Die Wahl fiel schlussendlich auf eine Tour mit einem etwas längeren Aufstieg: Von Les Prés-d’Orvin auf den Chasseral (übrigens auch eine prima Schneeschuh-Tour).

Dass das Wetter nicht ganz der Vorhersage entsprach fiel uns schon auf dem Weg nach Biel auf. Es gab nämlich noch keine Anzeichen auf den im Wetterbericht angekündigten Schneefall. Dies war wahrscheinlich auch vielen Skifahrern in Biel aufgefallen, denn im Bus, der nach Les Prés-d’Orvin fuhr, war fast kein Platz mehr frei.

Direkt von der Bushaltestelle aus machten wir uns auf der verschneiten Strasse auf in Richtung Métairie de Prêles. Dieses Gebiet ist übrigens ein riesiges Langlaufgebiet und wir waren sehr überrascht so viele Loipen anzutreffen (benutzt haben wir sie natürlich nicht, obwohl es sehr verlockend gewesen wäre). Ab der Métairie verliessen wir die Strasse und folgten dem Sommerwanderweg, der mit einer angenehmen Steigung durch einen sehr lichten Wald auf den Bergrücken führt. Auf diesem Weg versuchten wir die Langlaufloipe so wenig wie möglich zu kreuzen (2 Mal war es unvermeidlich, aber glücklicherweise kam es zu keinen Auseinandersetzungen mit den Langläufern. Wobei wir in diesem Fall auch Stöcke gehabt hätten.)

Auf dem Bergrücken angekommen, zeigten sich schon die ersten Wolken und in Richtung Chasseral sah man nur noch Grau. Dieses Grau wurden wir bis zum Gipfel nicht mehr los, aber im Nebel und Schneefall war das eine besondere Atmosphäre und wir fühlten uns weit weg von jeder Zivilisation. Bei schönem Wetter wäre diese Tour wegen ihrer Fernsicht (das behaupte ich jetzt einfach mal) sehr zu empfehlen.

Im Nebel

Kurz vor dem Gipfel verstärkte sich der Schneefall und die Sicht betrug zu diesem Zeitpunkt nur noch etwa 40 Meter. Die Orientierung war zum Glück einfach, da wir nur den gelben Markierungen des Wanderweges oder dem höchsten Punkt des Grates folgen mussten. So konnte also nichts schiefgehen.

Chasseral

Die Antenne auf dem Gipfel, die bei schönem Wetter von weither erkennbar ist, tauchte am Schluss plötzlich wie aus dem Nichts vor uns aus dem Nebel. Darunter suchten zahlreiche Tourengeher Schutz vor Wind und Schnee. Unsere Pause fiel daher auch nur sehr kurz aus. Wer es gemütlicher haben möchte, der muss noch etwa 20 Minuten weiter bis zum Hotel gehen.

Der erste Teil der Abfahrt führt zuerst über weite Hänge auf denen man genügend Platz für Turns hat. So wäre es sicher auch, wenn man ein wenig Sicht hätte. Bei uns sah dies in Realität aber ganz anders aus, da wir uns im Schritttempo bis zum Wald kämpften. Wir waren in einem kompletten Whiteout. Manchmal dachte ich, dass ich noch am Fahren war, obwohl ich schon stillstand und teilweise wurde mir fast übel, da ich überhaupt keinen Fixpunkt entdeckten konnte. Die Schneise im Wald fanden wir dank dem GPS, aber ohne Orientierungshilfe hätten wir uns sicher auch irgendwie durchwursteln können. Ab der Waldgrenze war der Nebel nicht mehr so zäh und mit den Bäumen hatten wir wieder genügend Kontrast. Zu meinem Erstaunen befanden sich trotz des Wetters sehr viele Skitourengeher, die in Nods gestartet waren, auf dem Aufstieg.

Winter in Nods

In Nods konnten wir direkt bis ins Dorf abfahren, nachdem der Neuschnee, der immer noch in grossen Mengen vom Himmel fiel, die Strasse in eine Piste verwandelt hatte. Der Wetterbericht hatte am Schluss doch noch Recht behalten und durchfroren wie wir waren, freuten wir uns schon auf den warmen Bus der uns nach Le Landeron zum Bahnhof brachte.

Plus & minus

Plus

  • Gemütliche Tour im Jura die schnell und gut mit den ÖVs gemacht werden kann.
  • Bei schönem Wetter sicher die Aussicht.

Minus

  • Die Abfahrt nach Nods ist viel befahren (also quasi eine Piste). Bei der Abfahrt nach Norden muss man zwingend die Wildschutzzone beachten.