Was haben Unterseen, Interlaken und Wilderwil gemeinsam? Genau, sie haben alle ein Steinbock auf dem Wappen. Das könnte ein Hinweis dafür sein, dass es in der Gegend auch wirklich so Viecher gibt oder zumindest mal gegeben hat. Und es gibt sie wirklich, einfach oben auf dem Berg.

Aber es hat sie auch mal nicht mehr gegeben, denn die Oberländer haben nämlich alle zu Wurst oder sonst was verarbeitet. Und das ist dann blöd wenn die Steinböcke weg sind und nicht mehr in Natura, sondern nur noch auf den Fahnen in den Dörfern zu bestaunen sind. Das haben die Oberländer dann auch bemerkt und ein paar in der Umgebung ausgesetzt und heute leben da wieder circa 150 Steinböcke. Daran könnte sich die Stadt Bern ein Vorbild nehmen. (Und noch so als Funfact: Der Name Berlin hat auch nichts mit Bären zu tun, sondern stammt vom slawischen Wort für Sumpf ab.)

Bevor ich mich jetzt aber noch mehr in historischen Unwahrheiten verrenne, hier noch was zum Spaziergang zur Wanderung aufs Augstmatthorn:

Die einfachste und schnellste Variante startet auf der Lombachalp. Von da aus kann man direkt auf den Gipfel des Augstmatthorns oder wie wir zuerst noch auf den Suggiture aufsteigen. Vom Suggiture aus führt der Weg über einen grasigen Grat auf das Augstmatthorn und auf dem Grat trifft man eben diese Steinböcke an. Und auch Gemsen (ich frage mich dann immer wer in einem Zweikampf gewinnen würde. Gemse oder Steinbock?) Im Sommer sind die Steinböcke meist auf der schattigen Nordseite, währenddem sie sich in den kälteren Jahreszeiten auf der wärmeren Südseite aufhalten. In der Regel hat man im Herbst bessere Chancen ein paar anzutreffen und dann sind es meist Gruppen von 10 bis 30 Tieren. Die Tiere nehmen es einem nicht übel wenn man ein bisschen näher zu ihnen geht. Aber bei 5m ist dann auch Schluss. Da kommt immer fast ein wenig Streichel-Alpenzoo Atmosphäre auf.

Die Aussicht auf dem Grat ist übrigens auch umwerfend: Auf der einen Seite wachsen die Berner Alpen in die Höhe und der Brienzersee liegt weit unten im Tal. Auf der anderen Seite sieht man weit übers Emmental und das Entlebuch. Und man steht auf einem Grat. Das finde ich eh das Schönste.

Den Abstieg bewältigen wir über die direkte Route hinunter zur Lombachalp. Beim Auto angekommen sind wir beide dann auch froh, dass die Oberländer heute andere Viecher zur Wurstherstellung hernehmen.