Abgelegen war dieser Kebnekaise schon: Zuerst gings mit dem Zug nach Zürich, von da mit dem Flieger nach Stockholm, weiter mit dem Nachtzug nach Kiruna und schlussendlich noch mit dem Bus nach Nikkaluokta. Die letzten 30km zum Gipfel gingen wir dann noch zu Fuss und schon standen wir auf Schwedens höchstem Berg, dem Kebnekaise. Hejsan hoppsan.

Die höchste Erhebung in Schweden ist der Kebnekaise mit seinen 2106 Metern. Im Moment ist der gut erreichbare Südgipfel (Sydtoppen) noch höher als der Nordgipfel (Norrtoppen) aber das könnte sich in einigen Jahren ändern, da die Eisspitze des Südgipfels unaufhaltsam schmilzt. Darum empfiehlt es sich eine Reise in den nächsten 5 Jahren zu planen, denn sonst wird es eher anspruchsvoll mit dem Aufstieg.

Wir planten unser Kebnekaise-Projekt am Anfang unserer Schwedenferien ein, da wir danach mit dem Auto von Kiruna nach Stockholm fuhren und die Besteigung doch 3 Tage beanspruchte. Also hin und zurück. Die ersten Tage der Reise, sprich die Besteigung des Kebnekaises, waren im Gegensatz zur restlichen Reise gut geplant und wir hatten auch schön brav in der Fjällstation reserviert. Nur waren wir uns nicht ganz sicher ob die 45 Minuten zwischen Ankunft des Zugs und Abfahrt des Busses in Kiruna (Linje 92) reichen würden um unser restliches Gepäck zu verstauen. Das kann man praktischer Weise in der Touristinformation machen, doch man sollte vorher die Öffnungszeiten anschauen, damit man da nicht vor verschlossenen Türen steht. Bei uns passte zum Glück alles und so konnten wir kurz nach Mittag von Nikkaluokta aus Richtung Fjällstation aufbrechen. Und das bei, für Ende August, unerwarteten 23°.

Im Tal zum Kebnekaise

Die 20km zur Fjällstation sind flach und der Weg führt durch schöne Birkenwälder zum Laddjuavri See. Hier hätten wir das Schiff nehmen können um ans andere Ende des Sees zu fahren, was uns eine Stunde Gehen erspart hätte. Der Preis war eher auf der happigen Seite. Darum ging es zu Fuss weiter und nach insgesamt 5.5 Stunden erreichten wir die Fjällstation.

Gebäude der Fjällstation

Die Fäjllstation ist nicht bloss eine Hütte im Nirgendwo, sondern ein ganzer Komplex bestehend aus mehreren Gebäuden. Fast 200 Übernachtungsplätze sind vorhanden und das Angebot reicht vom Massenlager bis zum 2er Zimmer. Die Übernachtung sollte man übrigens mit Frühstück buchen, denn das Buffet war das beste auf unserer gesamten Reise.

Der Westweg zum Kebnekaise

Nach eben diesem Frühstück ging es am zweiten Tag kurz vor sieben Richtung Kebenekaise. Zu Beginn ging es gemütlich durchs Tal und über einen ersten Aufstieg gelangten wir in ein kleines Seitental von dem aus wir schon fast die Spitze des Kebnekaises sehen konnten. Nach einer Bachquerung führte der Weg steil zum Gipfel des Vierranvarri. Die Steinmännchen auf dem Gipfel sind ein Zeichen vieler Verschnaufpausen und der Ausblick ist dort aus schon sehr beeindruckend. Nur die Gipfel des Kebenkaises sieht man eben nicht.

Blick vom Vierranvari Richtung Kebnekaise

Danach mussten wir circa 200-300m absteigen, damit wir den letzten Aufstieg in Angriff nehmen konnten. Vor dem Gipfel geht man an den 2 höchstgelegenen Gebäuden Schwedens vorbei. Die eine der beiden Schutzhütten wurde 1924 und die andere 1983 erbaut und beide sehen nicht mehr so in Schuss aus. Aber die Hütten sind auch eher als Notunterkünfte gedacht und nicht bewartet. Schon bald soll es aber wieder eine Neue geben.

Gegen oben flachte der Gipfel ab und erst kurz vor dem höchsten Punkt kam Sydtoppen zum Vorschein. Und da kam es mir auch wieder in den Sinn, dass ich irgendwo gelesen hatte, dass man besser Steigeisen mitnehmen sollte. Sydtoppen ist nämlich eine Pyramide und auf 2 von 3 Seiten lauert bei einem Ausrutscher der sichere Tod. Und um die ungefährliche Seite hochzukommen benötigt man wenn es kalt ist auch Steigeisen.

Bei uns war es jedoch relativ warm und so konnten wir uns Tritte bis zum höchsten Punkt schlagen. Oben schauten wir, dass wir auf der sicheren Seite blieben und genossen vor dem Ansturm einer grösseren Gruppe die Aussicht. An einem klaren Tag soll man vom Gipfel aus angeblich bis zu 10% von Schweden sehen. So viel war es bei uns jedoch nicht, aber der Ausblick in die Berge und Täler war gewaltigst.

Der südliche Gipfel des Kebnekaises

Aussicht vom Kebnekaise in Richtung Norden

Der Rückweg ist wieder der genau gleiche und man muss sich psychisch auf den Gegenanstieg vorbereiten den es wieder zu bewältigen gilt. Um fünf Uhr waren wir bei Sonnenschein wieder zurück in der Fjällstation und gönnten uns ein kaltes (aber auch teures) Bier.

Am folgenden Tag starteten wir um neun in der Früh in Richtung Nikkaluokta und da realisierten wir, dass wir grosses Glück mit dem Wetter hatten. Auf dem Weg zur Fjällstation und auch am Gipfeltag war das Wetter freundlich und es hatte nie geregnet. Auf dem Rückweg aber schiffte es die meiste Zeit. Darum sollte man bei einer Besteigung zuerst das Wetter checken.

Plus & minus

Plus

  • Das Fjäll, die Landschaft, Schweden
  • Frühstück in der Fjällstation

Minus

  • Bier preislich auf der happigen Seite (2er-Zimmer auch, aber lohnt sich)