Wenn man an einem freien Tag den 6 Uhr Zug nimmt, dann muss es sich schon um einen besondern Anlass handeln. Mit dem Jan will ich den Argentinian Trail im Wallis erkunden, der immer wieder mit dem Brazilian verglichen wird.

Der Brazilian ist eine Klasse für sich, denn die 2000 Höhenmeter können super flowig gefahren werden und er ist auf der gesamten Strecke nie langweilig. In der Ride Ausgabe 2014/5 wurde der Argentinian Trail vorgestellt, der den Brazilian in Abfahrts-Höhenmetern und sogar in Sachen Fahrspass übertreffen soll.  Das ist doch mal eine Ansage und es wäre ja zu schön um wahr zu sein.

Und eben darum sind wir in diesem Zug. In Sierre hängen wir die Bikes an das Postauto und 2.5 Stunden nach der Abfahrt in Bern sind wir im beschaulichen Grimentz. Es ist kühl an diesem Tag, obwohl dass die Sonne scheint. Auf dem höchsten Punkt der Tour, der auf fast 3000 Metern Höhe liegt, wird es an diesem Tag nur gerade 4°C warm und wir sind froh, dass wir warme Kleidung eingepackt haben.

Die ersten 500 Höhenmeter legen wir mit der Bendolla Gondel zurück, da auch so immer noch genug Höhenmeter zu bewältigen sind (und wenn ich ganz ehrlich bin, dann sind wir auch nur wegen der Abfahrt da). Die ersten 300 Höhenmeter können wir locker Einrollen, aber ab danach gibt es immer wieder Stellen bei denen wir die Räder schieben, da die Anstiege steil sind und die Luft dünn wird. Bis zum obersten Lift folgen wir einem breiten Weg, aber die letzten Meter zum Col des Becs de Bosson geht es steil den Wanderweg hinauf. Ist man aber mal im Col so sieht man das grossartige Panorama von Mont Blanc über den Grand Combin bis zum Weisshorn, während auf der anderen Seite die Becs de Bosson über einem thronen. Vom Col aus ist es nicht mehr weit bis zur Hütte und nur noch ein kleines steiles Stück steht zwischen uns und dem Käse- und Fleischplättli.

arg_panorama

Der erste Teil der Abfahrt führt zuerst durch eine karge Mondlandschaft, aber bis zur Alp Lovégno ändert sich die Szenerie komplett und wir befinden uns mitten in grünen Alpwiesen. Der Trail bis zur Alp ist meist schmal und verblockt. Daher müssen wir recht konzentriert fahren um nicht vom Weg abzukommen.

Der nächste Abschnitt des Trails bis nach Suen ist schon wesentlich flowiger zum Fahren und Wald- und Wiesenabschnitte wechseln sich ab. Bis La Gréferic gibt es auch noch ein paar schnelle Abschnitte, danach ist bis zum Talboden wieder mehr Konzentration und Technik gefordert, da der Weg staubtrocken ist und es auch einige lose Steine hat, die uns das Leben schwer machen wollen.

Nach dieser langen Abfahrt (hier sind es schon 2300 Höhenmeter), müssen wir fluchend nochmals in die Pedale treten und 300 Höhenmeter hinauf. Oben wartet aber ein schöner Suonenweg, der mehr oder weniger flach bis Vex verläuft. Der Weg hinunter nach Sion ist dann leider wenig spektakulär und nach insgesamt 7.5 Stunden (2 Stürze & einen Platten inklusive) sind wir am Ziel.

Im Zug nach Bern vergleichen wir bei einem Bier natürlich sofort den Argentinian und den Brazilian. Beide Touren sind grossartig und der Argentinian schlägt den Brazilian in Sachen Abfahrtsmetern und Bergpanorama. Auch sind die Anforderungen an die Fahrtechnik beim Argentinian grösser. Wenn es aber um den Fahrspass geht, dann hat meiner Meinung nach der Brazilian die Nase vorne, denn der kann von oben bis unten flowig und schnell gefahren werden. Fährt man mit diesen Erwartungen den Argentinian, so kann ganz wenig Enttäuschung aufkommen (meine Bremse machte an diesem Tag auch schon die ganze Zeit Probleme und ich hatte schon sehr früh müde Unterarme (da überlegt man sich natürlich wieder ein Update von der Guide zur Shimano XT), was sicher auch noch in mein Fazit reinspielt).

Nichtsdestotrotz ist der Argentinian eine schöne und lange Tour, die von flowigen Passagen bis zu fordernden und rauen Stellen alles bietet.

UPDATE:

Der Märsu hat eine alternative Route zur Hütte gemacht: Wie beim Brazilian ist er mit der Bahn auf die Crêt du Midi gefahren und von da aus über die L’Ar du Tsan zur Hütte „aufgestiegen“. Landschaftlich soll diese Route sehr viel mehr hergeben als Route die im Ride beschrieben ist, aber sie dauert etwa auch eine Stunde länger.

UPDATE 2:

Wie der Renzo berichtet, kann man auch mit dem Postauto zum Lac de Moiry fahren und von da geht es über das Basset de Lona zur Hütte. Auch hier schiebt man das Bike auf den letzten Höhenmetern.

Die GPX Datei kann bei Ride heruntergeladen werden.

Plus & minus

Plus

  • Endlose Abfahrt mit verschiedenen Gesichtern
  • Top Panorama vom Col des Becs de Bosson

Minus

  • Manchmal vermisst man im verblockten Gelände den Flow
  • Elender Gegenaufstieg