Kandersteg ist für mich ein bisschen wie der Kanton Aargau (jetzt hassen mit wohl alle Kandersteger), denn da fahr ich normalerweise immer nur durch. Im Gegensatz zum Kanton Aargau ist es in Kandersteg aber wunderschön (jetzt hassen mich sicher auch noch die Aargauer). Da gibt es nämlich den Oeschinensee, Kletterwände deren Namen ich nicht weiss (he, ich fahr da nur durch) und natürlich das Gasterntal. Dort stand ich gestern um 0815 auch und das nur dank einer gehörigen Portion Glück: Es gibt einen kleinen Bus der von Kandersteg ins hintere Gasterntal fährt. Hätte ich mein Vorhaben gewissenhaft geplant, dann wäre mir aufgefallen, dass für diesen Gastertal Bus eine Reservation obligatorisch ist. Klar, naive Wanderer gehen einfach hin und fragen ob es noch einen freien Platz hat, aber die gewissenhaftplanenden Wanderer haben dann den Bus schon ausgebucht. In meinen Fall konnte jemand nicht kommen und so erbte ich den Platz. Ansonsten hätte ich etwa 2 Stunden bis zum Ausgangspunkt wandern müssen, was ich wohl nicht gemacht hätte. Plan B wäre dann eine Wanderung über den Gemmipass gewesen.

Von Selden aus ging es zuerst durch denn Wald und danach über Grashänge hinauf zum Lötschengletscher. Der Gletscher ist unter Schutt versteckt, aber der Weg über ihn ist gut signalisiert und so ist er auch problemlos für den Wanderer zu bewältigen. Auf dem Gletscher stellte ich einmal mehr fest, dass ich mich ganz gerne auf diesen bewege. Das ist ein bisschen wie schon Winter.

Nach der Gletscherquerung geht der Weg ein Stück auf der Moräne weiter und nach einer etwas steileren Passage ist man auch schon auf dem Pass. Oben ist es schwierig abzuschätzen wo nun das Wallis anfängt und Bern aufhört. Das grosse Holzkreuz vor der Lötschenpasshütte könnte aber ein Hinweis dafür sein, dass sich die Hütte auf Walliser Grund befindet. Übrigens: Mit erschrecken musste ich feststellen, dass es gar keinen Lötschberg Berggipfel gibt. Ich dachte immer, dass es da so einen Gipfel gibt und der wäre dann der Lötschberg Berg, aber wie ich gelernt habe sagt man dem ganzen Terrain da oben Lötschberg.

Vom Lötschenpass aus hat man eine sehr schöne Aussicht in die Walliser Alpen und auf den markanten Gipfel des Bietschhorns, welcher auf der gegenüberliegenden Talseite über dem Lötschental thront.

Als in der Schweiz vor langer Zeit alle Berge vermessen wurden, ergab die Vermessung des Bietschhorns eine Höhe von 4003m. 30 Jahre später, als man die Berge erneut vermass, stellte sich heraus, dass der erste Vermessungstrupp wohl ein bisschen zu tief ins Fendantglas geschaut hatte. Die neue Vermessung ergab nur noch eine Höhe von 3934m und das erzürnte die Lötschentaler, da man ihnen ihren 4000er gestohlen hatte. Es gab sogar eine Appellation an den Bundesrat, die verlangte dass das Bietschhorn ein 4000er bleiben müsse. Geholfen hat es scheinbar nichts und der angebliche Plan den Gipfel aufzuschütten wurde auch nicht umgesetzt, da der Gipfel heute immer noch 3934m hoch ist.

Der Abstieg vom Pass hinunter nach Ferden war dann wie alle Abstiege ins Lötschental, nämlich steil. Die Strecke nach Goppenstein legte ich dann bequem mit dem Postauto zurück und von da aus ging es mit dem Zug zurück nach Bern. Und dann war es wieder mal soweit und ich fuhr in Kandersteg einfach durch.