Auf beiden Bergketten, welche die Begrenzung des Gailtals  (auf Kärntnerisch „Gailtål“) bilden, verlaufen Wanderwege auf denen mehrtägige Touren gemacht werden können. Im Süden ist dies der relativ bekannte Karnische Höhenweg und im Norden sein weniger bekannter kleiner Bruder, der Gailtaler Höhenweg. Während der Karnische Höhenweg von Hütte zu Hütte führt, wird es auf der Nordseite ein wenig komplizierter. Manche Etappen sind zu lang um jede Nacht in einer Hütte verbingen zu können und so bleibt einem oft nur die Wahl zwischen einem Zelt oder dem Abstieg ins Tal (und natürlich wieder dem Aufstieg am folgenden Tag). Also nichts für Flachwanderer.

Wir hatten geplant 4 Tage auf dem Gailtaler Höhenweg zu verbringen und wollten von Kötschach-Mauthen (amerikanische Touristen würden wohl eher Ketchup-Mountain sagen) zur Windischen Höhe gehen. Leider machte uns das unbeständige Wetter einen Strich durch die Rechnung. Glücklicherweise erwischten wir einen Slot von 2 schönen Tagen und nutzen diesen, um von Grafendorf zum Weissensee zu gelangen. Somit war zumindest die Königsetappe über den Reisskofel in dieser Zeit bewältigbar. Diese wollten wir unbedingt machen, da die Überquerung des Reisskofels in einem Bericht auf hikr sich eher abenteuerlich anmuten liess.

Kurz vor 9 Uhr, also nicht allzu früh, starten wir die erste Etappe, die uns von Grafendorf über den Jaukensattel und den Reisskofel zur Compton Hütte führen wird. Schon auf den ersten Metern wandern wir dem falschen Weg entlang und landen im Nirgendwo, aber dieser Exkurs ist im zum Glück nur kurz. Wieder auf dem richtigen Weg gewinnen wir schnell an Höhe, doch der Hochnebel bleibt hartnäckig. Es soll besser werden prophezeite der Wetterbericht, aber bis jetzt sehen wir noch wenig davon.
Als wir kurz vor Mittag den Jaukensattel erreichen sehen wir, dass der Wetterbericht zumindest auf der Drautaler Seite zutrifft. Fast wolkenlos ist es auf dieser Seite, währenddessen sich im Gailtal noch nichts verändert hat.

Aufstieg zum Westgrat
Aufstieg zum Westgrat

Der Westgipfel des Reisskofels

Der Weg zum Jaukensattel scheint wenig begangen zu sein, und wir treffen erst vor dem Reisskofelbiwak die ersten Wanderer (Ein holländisches Paar dem flache Spaziergänge scheinbar besser liegen). Beim Biwak wird auf dem Wanderweg 2 Stunden für die Überquerung angegeben, aber was die Distanz und Höhenmeter betrifft schätze ich die Gehzeit um eine Stunde weniger. Es bleibt also spannend. Zu Beginn ist noch nichts von diesem abenteuerlichen Weg zu spüren, der mit jedem Schritt schöner wird. Als dann der Reisskofel hinter einem Rücken auftaucht glauben wir zunächst, dass das Kreuz auf dem Gipfel unser Ziel ist. Da lagen wir jedoch falsch, da auch der Westgipfel ein Gipfelkreuz hat. Etwas fies, aber wer Karten lesen kann ist klar im Vorteil.

Also nichts für Flachwanderer. – Chrigu

Auf dem folgenden Abschnitt geht es steil über den Fels hinauf, rechts und links lauert an einigen Stellen der Abgrund. Wanderer, die sich diesen Berg vornehmen sollten also absolut trittsicher und schwindelfrei sein. Bei nassen Verhältnissen oder noch/schon Schnee liegt kann es schnell gefährlich werden. Bei uns ist es aber trocken und so ist es eine lustige Kraxelei, die manchmal sogar mit Drahtseilen gesichert ist.

Aufstieg über den Westgrat
Aufstieg über den Westgrat

Bei der Überquerung wechseln sich der Auf- und Abstieg ab und nach dem ersten Aufstieg kommt gleich ein mühsamer Abstieg durch eine Art Couloir, das mit Geröll gefüllt ist. Nicht wirklich gefährlich aber mühsam. Und dann geht es wieder durchs Geröll. Einfach nur hoch. Nun wissen wir auch, warum da zwei Stunden auf dem Wanderweg standen und nach genau diesen zwei Stunden stehen wir oben auf dem Gipfel. Im Nebel. Ab und zu sehen wir ins Drau- und Gitschtal und die Compton-Hütte weit unten im Tal. Das Gailtal will aber nicht so recht und das ist sehr schade, da die Aussicht vom Reisskofel ins Gailtal zu einer der schönsten in der Region gehören soll.

Auf dem Ostgrat
Auf dem Ostgrat

So machen wir uns an den Abstieg, aber mitten auf dem Ostgrat auf dem Weg zum Törl, überlegt es sich das Wetter doch noch anders und die Wolken ins Gailtal lichten sich. Im Nordwesten ist sogar die Venedigergruppe und auch Lienz (im Osttirol (ausgesprochen als Oschttiroul) zu erkennen. Mit der Aussicht wurde uns doch nicht zuviel versprochen. Was dann noch zwischen dem Bier und uns steht ist der Abstieg zur Comptonhütte, die wir kurz nach 17 Uhr auch erreichen.

Ausblick von der Comptonhütte aus
Ausblick von der Comptonhütte aus

Die Hütte ist ein kleines Schmuckstück; wunderschön in einem Lärchenwald gelegen mit Aussicht auf die Nordwand des Reisskofels. Sie ist sogar mit einer Dusche und in den 2er Zimmern mit Bettlaken versehen. Quasi eine Luxusübernachtung am Berg. Auch das Essen (bei uns Kärnternudeln) schmeckt fantastisch. Und wenn der Enkel der Hüttenwarte noch mit der Knopfharmonika aufspielt, dann ist das Kärntner Hüttenerlebnis komplett.

Beim morgendlichen Aufstieg zum Grat
Beim morgendlichen Aufstieg zum Grat

Am zweiten Tag starten wir um halb 8 und die Hütte ist zu diesem Zeitpunkt noch in Nebel gehüllt. Nach 200 Metern Aufstieg stehen wir aber schon über dem Nebelmeer und auf dem Grat ist das Panorama dann perfekt. Wir folgen weiter dem Bergrücken und müssen steil zur Weissbriacher Hütte absteigen. Von der aus führt der Weg (note to self: Wäre eine prima Bikeabfahrt) nach Weissbriach im Gitschtal. An diesem Tag ist unser Ziel die Naggler Alm oberhalb des Weissensees und darum geht es von Weissbriach wieder den Berg hinauf. Zuerst wartet noch der letzte Gipfel der Tour, der Mittagsnock, auf uns. Der Weg hinauf ist wenig schattig und die Sonne brühtet unaufhörlich. Da haben wir uns die letzten Tage so sehr die Sonne herbeigewünscht und jetzt wo sie scheint, sind wir froh als wir oben in den Schatten flüchten können. Der Grat zum Mittagsnock überzeugt mehr als der eigentliche Gipfel, da dieser einsamer und der Blick ins Gitschtal viel besser ist.

Im Nebel

Zur Naggler Alm ist es dann nicht mehr weit und dort wartet schon der Kaiserschmarren und auch ein Starnitzel mit Heidelbeeren und Schlagobers auf uns. Der Abstieg zum Weissensee machen wir dann gemütlich mit dem Sessellift und wir planen dabei schon die Fortsetzung im nächsten Jahr.

Zurück zum Weissensee
Zurück zum Weissensee

Plus & minus

Plus

  • Einsamer Höhenweg, weniger begangen als der Karnische Höhenweg
  • Hütten-Luxus in der Comptonhütte
  • Aussicht ins Drau-, Gitsch- und Gailtal

Minus

  • Informationsbeschaffung (welche Hütten gibt es, welche Etappen machen Sinn)