Auf der Grimsel habe ich ein Déjà Vu, denn vor genau fast einem Jahr standen wir hier um unsere Trailsuche am Grimsel- und Furkapass zu starten. Die Sonne vertreibt den Frost der Nacht und der Himmel ist stahlblau. Nur hat es dieses Mal schon Schnee. Und nicht wenig davon. Aber der Start zu unserer zweitägigen Biketour auf der wir auf 6 Mal Passhöhen stehen werden ist perfekt.

Die Planung der Tour war ein langwieriger Prozess, da es unzählige Möglichkeiten gibt um Trails und Postautofahrten mit Hilfe des Fahrplanes zu kombinieren. Um die Auswahl etwas zu vereinfachen, beschränkte ich mich auf die Trails, die relativ gut dokumentiert sind:

  • Grimselpass – Oberwald
  • Grimselpass – Ulrichen über das Obertal
  • Nufenenpass – Ulrichen
  • Nufenenpass – Cornopass – Airolo
  • Gotthardpass – Airolo
  • Gotthardpass – Hospental
  • Oberalppass – Maighelspass – Andermatt

Dies machte die Liste schon etwas übersichtlicher und die zweitägige Tour sah am Schluss so aus:

  1. Grimselpass – Ulrichen (über Obertal) – Cornopass – Airolo
  2.  Airolo – Gotthardpass (Postauto) – Airolo – Gotthardpass (Postauto) – Andermatt – Oberalppass (Zug) – Maighelspass – Andermatt

Der erste Teil der Tour verläuft genau wie letztes Jahr, nur müssen wir die Räder dieses Mal etwas mehr schieben, da der Neuschnee der letzten Woche etwas ergiebiger ausgefallen ist als angenommen. Dort wo der Trail nach Oberwald etwas vertikaler wird, fahren wir aber auf dem Höhenweg Richtung Unnerbodme. Ab Unnerbodme ist der Weg relativ neu und wir geniessen die Aussicht ins Goms und auch auf die Walliser 4000er. Bei Üelichergale beginnt die Abfahrt nach Ulrichen. Der Trail ist lustig zu fahren, aber würde ich die Tour noch einmal planen, dann würde ich wieder die Abfahrt über Oberwald wählen, da sie meiner Meinung nach mehr Fahrspass bietet.

Weg nach Ulrichen

Auf der langen Fahrt auf der Nufenenpassstrasse zweifle ich einige Male an der Planung, da dieser Teil anstrengender als erwartet ist. Auf den Nufenenpass hätten wir auch gut mit dem Postauto fahren können, aber wir entschieden uns für den Aufstieg aus eigener Kraft. Glücklicherweise können wir in der zweitletzten Kurve vor der Passhöhe in Richtung Cornopass abzweigen und der Ausblick auf den Griessee und das Bättelmatthorn lassen uns die Strapazen zumindest etwas vergessen.

Auf dem Pass beginnt die erste Etappe der lang ersehnten Abfahrt, die uns zur futuristisch anmutenden Cornohütte bringt. Zu Beginn ist der Trail manchmal etwas verblockt, wird dann aber immer flowiger. Von der Hütte aus wechseln sich verblockte und flowige Abschnitte ab (bei uns kommt noch der Schnee hinzu) und bis San Giacomo müssen wir die Bikes den letzten schmalen Anstieg schieben, da der Schnee im schattigen Hang liegt.

Ab San Giacomo schwanken meine Gefühle zwischen Frustration und Genuss: Die Abfahrten sind landschaftlich wunderschön und auch spannend zu fahren, doch nur allzu oft wird der Flow von Anstiegen unterbrochen. Bei einigen davon müssen wir die Räder schieben, und spätestens hier spüren wir langsam unsere müden Beine. So dauert alles ein wenig länger als geplant und wir treffen darum 11 Stunden nach dem Start rechtzeitig vor dem Eindunkeln in Airolo ein.

 

Bedrettotal

Bedretto Trails

Am nächsten Tag fahren wir mit dem 08:15 Postauto auf den Gotthardpass und das bei strahlendem Sonnenschein. Wegen dem eiskalten Wind machen wir uns aber rasch auf den Weg in Richtung Pontino um nicht auszukühlen. Hier beginnt auch der Trail der hauptsächlich durch den Wald führt. Die unzähligen Tannenzapfen machen die Abfahrt zu einer teilweise rutschigen Angelegenheit, aber es liegt zumindest kein Schnee.

Um 10:00 Uhr sind wir wieder in Airolo und fahren eine Viertelstunde später mit Postauto auf den Gotthard. Nun folgt die Abfahrt Richtung Norden nach Hopsental und Andermatt, aber diese ist eine grosse Enttäuschung, da wir oft im Dreck steckenbleiben und unser Weg über natürliche Pflastersteine keinen Flow aufkommen lässt. Er fordert auch schon den ersten Platten und mit etwas Glück reicht es uns gerade noch auf den Zug in Andermatt, Richtung Oberalppass.

Hier folgen wir direkt dem Wanderweg Richtung Val Maighels, auf dem sich bis zum Strässchen die fahrbaren und jene Abschnitte bei denen man das Bike schieben muss die Waage halten. Auf dem Strässchen geht es aber wieder schnell vorwärts und erst im hinteren Teil des Tales schieben wir die Räder wieder hoch.

Anstieg Maighels

Auf dem Oberalppass sind wir bei Sonnenschein gestartet, aber auf dem Maighelspass drücken die Wolken von Andermatt her über den Pass und wir befinden uns mitten im kalten Nebel. Die Abfahrt vom Pass ist trotz der Nässe die beste des Tages. Die vielen scharfkantigen Steine fordern aber die Pneus und Schläuche und hier müssen wir dann auch einen zweiten Platten flicken. Die Abfahrt endet auf etwa 1950 Metern und die restlichen 500 Abfahrtsmeter bis Andermatt werden auf einer Strasse zurückgelegt. Leider. Ohne Halt geht es von da gleich weiter bis nach Göschenen und wir müssen uns dieses Mal nicht beeilen um den Zug in Richtung Luzern zu erwischen.

Von den vielen Abfahrten im Gebiet fehlt uns jetzt nur noch die Strecke Nufenenpass – Ulrichen und die werden wir sicher 2016 anpacken 🙂

Infos

  • Grimsel – Ulrichen: 2h 30min
  • Ulrichen – Cornopass: 2h 45min
  • Cornopass – Airolo: 3h
  • Gotthardpass – Airolo: 1h 20min
  • Gotthardpass – Andermatt: 1h 30min
  • Oberalppass – Maighelspass: 2h
  • Maighelspass – Andermatt: 1h 30min
  • 1. Tag: 58km, 2100 Höhenmeter Aufstieg & 3100 Höhenmeter Abfahrt
  • 2. Tag: 45km, 900 Höhenmeter Aufstieg & 2100 Höhenmeter Abfahrt

Plus & minus

Plus

  • 2 Tage in unglaublicher Landschaft
  • Trail Cornopass – Airolo

Minus

  • Trail Gotthardpass – Andermatt
  • Eine zu grosse Anzahl von Möglichkeiten (Trails in Kombination mit Postautos)